Lada

Eure Erfahrungen mit den verschiedensten Zugfahrzeugen.

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Lada

Beitragvon Senior » 30. Oktober 2016, 21:14

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit einen Lada Taiga (früher Lada Niva) etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Konstruktion des russischen Kompaktgeländewagens stammt aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und wurde im laufe seiner Geschichte bis heute nur unwesentlich verändert. Nennenswert sind allenfalls ein neuer Motor; Einspritzer mit G-Kat statt Vergaser, ABS, elektrisch verstellbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber, sowie eine umständlich zu handhabende elektronische Wegfahrsperre. Umständlich deshalb, weil man sie vor jedem Starten des Motors mit einem Transponder deaktivieren muss, ähnlich wie bei vielen Zugangssystemen mit Schranke auf Campingplätzen. Lästig, wenn man vor einer geschlossenen Bahnschranke den Motor ausgeschaltet hat: Zündschlüssel abziehen, Wegfahrsperre deaktivieren, Schlüssel wieder ins Zündschloss und endlich starten.

Auf den vorderen Sitzen geht es überraschend bequem zu. Die hintere Sitzreihe eignet sich gerade noch für Erwachsene, aber nur auf Kurzstrecken, sonst nur für Kinder oder Gepäck. Das eigentliche Gepäckabteil läst sich von normalerweise bescheidenen 263 Litern auf bis zu 982 Litern vergrößern (Größenangaben sind Werksangaben) und ist über die breite Heckklappe ohne nennenswerte Ladekante leicht zu beladen. Allerdings läst sich die Klappe nur von innen öffnen, selbst wenn man die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung für 490 Euro zusätzlich geordert hat.

Als meine Hände die etwas ungewohnt angebrachten aber überschaubar wenigen Schalter und sonstigen Bedienelemente gefunden haben, kann es eigentlich losgehen. Nur meine Füße müssen sich erst noch im engen Fußraum zurechtfinden. Große Radkästen und der ungewöhnlich breite Getriebetunnel lassen nur wenig Platz für die Pedale, sie stehen ungewohnt nah beieinander - wie in manchen Kleinwagen. Mit seinen 83 PS beschleunigt das vergleichsweise leichte Auto (1.285 kg Werksangabe) mit permanentem Allradantrieb unerwartet zügig. Mein Beifahrer und Eigner des Autos hat meine Verwunderung darüber anscheinend bemerkt und referiert: „Das ist kein Kompakt-SUV sondern ein kleiner aber reinrassiger Geländewagen. Der ist hauptsächlich auf unwegsamem Gelände Zuhause“. „Straße kann er aber auch ganz gut.“ Fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu und fährt fort: „Wenn es hart auf hart kommt, kann man noch per Muskelkraft das Untersetzungsgetriebe bemühen oder die brutale Differentialsperre aktivieren. Auch sonst gibt es keine Fahrerassistenten. Wer einen Lada fährt muss seine Sinne beisammen haben und konzentriert fahren“. Dann sind wir auch schon bei Tempo 70 km/h und eine Unterhaltung ist kaum noch möglich. Dank ausreichend direkter Servolenkung fährt der Dinosaurier brav weiter und gehorcht auch sonst meinen Fahrbefehlen. Abgesehen davon und vom ABS gibt es keine Fahrerhilfen.

Bei einem Bier werden mir viele Fragen beantwortet. 1900 kg darf sein Auto ziehen. Sein Wohnwagen wiegt aber nur 1300 kg. Mit diesem Gewicht am Haken und bei Tempo 80 verbraucht sein Lada um die 15 Liter. Höhere Geschwindigkeiten sind möglich, werden aber unverhältnismäßig teuer. Besonders an Steigungen und mit Last am Haken spürt man die geringe Motorleistung deutlich (83 PS, 129 Nm). Meine Bedenken hinsichtlich Wartungs- und Reparaturmöglichkeiten zerstreut mein neuer Campingfreund mit unwiderlegbaren Argumenten: „Das Auto ist so einfach konstruiert, daran können auch technikinteressierte Laien schrauben. Ersatzteile gibt es innerhalb 24 Stunden für jedermann preisgünstig übers Internet. Werkstätten, auch markenungebundene, haben noch schnellere Bezugsquellen und können preisgünstig helfen, weil die Technik so simpel ist“.

Wie sagte mal Herr Beckenbauer: Fahr´n wir mal, dann sehen wir… oder so ähnlich.
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Re: Lada

Beitragvon Antonius » 31. Oktober 2016, 16:54

Der Lada war ursprünglich eine in Lizenz gefertigte Variante des Fiat 124, der vor Urzeiten einmal Auto des Jahres war. Die Russen haben den ohv-Motor in einen ohc-Motor verwandelt.
Man kann tatsächlich sehr viel an dem Auto selbst machen, ich habe z.B. die Vorderachsgelenke mit Fettnippeln versehen, obwohl sie wartungsfrei sein sollten. So haben sie 15 Jahre und 150.000 km gehalten. Unterboden- und Hohlraumkonservierung waren Pflicht, wenn man das Auto länger fahren wollte. Sogar Bremsleitungen haben wir selbst angefertigt, weil keine zu bekommen waren. Die Steuerkette konnte man sehr einfach nachstellen. Ventile musste regelmäßig eingestellt werden und auch die Zündung.
Dinge, die heute kaum noch jemand kennt, dank technischem Fortschritt.

Schwachpunkt war der Auspuff aus Büchsenblech, es gab keine längere Urlaubsfahrt, im der ich nicht eine Werkstatt für eine Notreparatur aufsuchen musste. Eigenanfertigungen aus Stahlpanzerrohren, wie sie Elektriker früher benutzten, hielten auch nicht lange.

Ergonomisch war das Auto eine Katastrophe. Das rechte Bein ist wegen der unmöglichen Anbringung des Gaspedals fast abgestorben und eine Variante der vielen verschiedenen Vergaser ließ überflüssiges Benzin über eine kleine Düse einfach abtropfen. Vom Lärm und dem speziellen Eigengeruch des Wagens gar nicht zu reden. So hatte ich regelmäßig schwere Kopfschmerzen.

Der Lada Niva war eine Entwicklung auf der Basis des PKW. 1975 kam er in der DDR auf den Markt. Die Russen haben damals das getan, was AUDI, BMW u.s.w. heute tun, auf der Basis der PKW SUV´s zu entwickeln.
Durch die Untersetzung, die Differntialsperren und die kurzen Überhänge ist der Lada Taiga (Niva) ein sehr ordentlicher Geländewagen mit beachtlichen Zugfähigkeiten.
Wie es um die Ergonomie bestellt ist, weiß ich nicht.

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Re: Lada

Beitragvon Troll » 31. Oktober 2016, 19:40

Moin,
ich / wir hattten ab 1990 einen gebrauchten Lada Niva. Nachdem wir dem sehr herben Charme des Liebchen (Niva) erliegen waren hatte ich viel Spaß mit dem Auto. Die Heizung, versehen mit einer elektronischen Eigenbauregelung ist nicht zu toppen. Verbrauch war für den Panzer OK. Damalös hatten wir noch keinen WoWa aber ich habe den 7m WoWa meines Vaters von Fehrmarn nach Berlin geholt. Der Niva hat den gezogen aber ein vergnügen war es nicht. Durch den doch recht kurzen Radstand war die Fahrt recht üngemütlich. Alles in allem haben wir das Auto geliebt und waren traurig das er zurück in seine Heimat nach St. Petersburg verkauft wurde. Als Zugfahrzeug ist er m. M. eher ungeeignet.
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Viele Grüße vom Troll,
der im waren Leben Norbert gerufen wird.
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